Der mythische Westen Amerikas und seine Endstation Kalifornien

„Go West, young man!“ Dies empfahl Zeitungsherausgeber Horace Greeley 1865 den Amerikanern, die ihren amerikanischen Traum verwirklichen wollten. Der Osten, das Land von der Küste bis zu den Appalachian Mountains war besiedelt. Die Menschen und die gesellschaftlichen Strukturen waren hier weitgehend etabliert und boten Neuankömmlingen kaum Erfolgschancen.

Aber jenseits der Appalachian Berge lag ein weites Land, das von den Tüchtigen erobert werden konnte, zunächst bis zum Mississippi, dann noch weiter über die endlosen Prärien und über die Rocky Mountains bis zum Pazifik. Der Westwärtstrend der Siedler begann. Die „Frontier“, die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis, wanderte immer weiter nach Westen. Dort, im äußersten Westen, in Kalifornien wurde 1849 auf dem Land des Schweizers Johann August Sutter Gold gefunden. Es war der Beginn des Goldrauschs von 1848 bis 1854, während dem Hunderttausende ihr Glück als Goldgräber in Kalifornien suchten. San Francisco wuchs 1848/49 innerhalb eines Jahres von 1000 Einwohnern auf 25.000 an. Kalifornien wurde 1850 als 31. Staat in die USA aufgenommen und erhielt den Beinahmen „der goldene Staat“. Immer mehr Trecks zogen über die Prärie nach Westen, und manche scheiterten auf dem langen Weg. Als dann 1863 bis 1869 mit dem Bau der„Pacific Railroad“, der transkontinentalen Bahn, West- und Ostküste verbunden wurden, war dies der Beginn vom Ende der geographischen „Frontier“, das 1890 vom Zensusbüro offiziell erklärt wurde.

Zwar existierte die geographische „Frontier“ nicht mehr, doch die Grenze als Symbol, als Verkörperung einer Idee, lebte weiter. Bis an die Grenzen gehen, die Grenzen überschreiten blieb weiterhin die Herausforderung für den amerikanischen Pioniergeist. Die Aufgabe war, irgendwo eine neue Grenze zu finden, etwa im Weltall. Wurde der Westen mit altertümlichen Planwagen erobert, so war es die hoch entwickelte Technologie, die die Eroberung des Weltraums und die Mondlandung ermöglichte.

Der Mythos des Westens lebte weiter. Es war der Traum vom Neuanfang, vom Aufbruch in unerforschte Gebiete. Es war auch der Traum von Befreiung, vom Sich-Lösen vom Alten und Hergebrachten, von einengenden und lähmenden Konventionen.
Es scheint als lebe der Traum vom mythischen Westen am intensivsten da, wo der Westtrend geographisch seine Endstation gefunden hat: im westlichsten Staat der Vereinigten Staaten, in Kalifornien. Aber jetzt war es nicht mehr ein Traum von räumlicher Westexpansion, die Trecks zogen nicht mehr über Land, jetzt gingen sie ins Innere der menschlichen Psyche.

Der Aufbruch begann mit der Beat-Generation der 50er Jahre. Jack Kerouac gab der Bewegung ihren Namen. Er, Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Lawrence Ferlinghetti gehörten zu einer Gruppe von Schriftstellern, die sich kritisch mit ihrer Gesellschaft, ihren Tabus und zunehmenden Materialismus auseinandersetzten. Ruhelos getrieben auf der Suche nach neuen Werten, wanden sie sich östlichen Religionen zu, und als Künstler bemühten sie sich um neue sprachliche Formen.
In den 50er Jahren lagen auch die Anfänge jener Musik, deren Einfluss bis in unsere Tage reicht. Die Klänge des Rock and Roll ließen die Straßen von San Franzisco erbeben. In immer neuen Versionen und unter verschiedenen Namen wurde diese Musik von den folgenden Generationen weiter entwickelt. Sie ging um die ganze Welt als Folk Rock, Hard Rock, County Rock, Protest Rock, und was es sonst noch an populären Musikstilen gibt. Es war nicht nur die Musik, Beat war ein neues Lebensgefühl, das von San Franzisco ausgehend die USA bis zur Ostküste überschwemmte und von da nach Europa übersprang.

Die Beatgeneration und der Auftrieb der 50er Jahre bestimmten auch die Folgezeit. Es kamen die 60er Jahre mit Bewegungen der Hippies, Flower Children, Protestler und Meditierenden – alles unterschiedliche Bewegungen, die dennoch eines gemeinsam hatte: die Absage an Materialismus und die Hingabe an natürliches Leben und Spiritualität. Und alle nahmen sie ihren Ausgang von Kalifornien. Es war die goldene Epoche Kaliforniens, in der das gesellschaftliche Gemisch aus Hippies, Surfern, Aussteigern aus der Welt der Bürger und der Geschäfte die Popkultur zeitigte, die den kalifornischen Traum verkörperte.

Es schien ein Jahrzehnt später als seien zwei Generationen von Romantikern, die glaubten, eine auf neuen Werten bestehende Gesellschaft zu begründen mit Hilfe von Drogen, befreiter Sexualität und Musik, gescheitert. Weder die befreite Sexualität und Drogen, noch das Motto „Do your own thing!“ offenbarten sich als so unschuldig, wie sie dargestellt wurden. Der König der Popmusik, Elvis Presley, starb 1977 mit nur 42 Jahren. Der kalifornische Traum vom Aufbruch in eine neue Welt war zu Ende. Er verflüchtigte sich in den 70er Jahren, doch die Idee einer alternativen, progressiven Gesellschaft starb nicht.

Wirtschaftliche Ereignisse wie die Ölkrise von 1973/74 trugen ihren Teil zur Desillusionierung bei, indem sie den üppigen Lebensstil der in den Vorstädten lebenden Kalifornier gefährdeten. Und eine neue Mentalität entstand in den 70er Jahren als der Computer in den Fokus des intellektuellen Lebens Amerikas getreten war und von da an das Denken bestimmt. Wieder war es Kalifornien, wo in Silicon Valley die Weichen für eine neue Entwicklung gestellt wurden. Und In Hollywood wurden die Filme gedreht, die um die Welt gingen.

Jerry Brown war die herausragende Gestalt, die die Politik der siebziger Jahre in Kalifornien entscheidend gestaltete. Als Sechsunddreißigjähriger wurde er 1974 zum Gouverneur gewählt und 1978 noch einmal für eine zweite Amtszeit. Was die Finanzen anging, war er weit konservativer als Ronald Reagan und erwirtschaftete für den Staat einen Budgetüberschuss von fünf Milliarden Dollar. Auch in seinem persönlichen Leben verzichtete er auf viele Privilegien, wohnte nicht in der prachtvolle Gouverneursresidenz in Sacramento, sondern mietete eine bescheidene Wohnung mitten in der Stadt und ging zu Fuß zur Arbeit. Nicht nur dieser Lebensstil war ungewöhnlich.

Auch die Ideen und Ziele Browns waren für die politischen Verhältnisse der Zeit neu und ungewohnt. Umweltprobleme traten ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit und führten zur Gründung einer Agentur für angemessene Technologie (Office of Appropriate Technology). Die Stellung von Frauen und Minoritäten wertete Brown auf, indem er mehr offizielle Ämter an Frauen und Minoritäten vergab als je ein Gouverneur vor ihm. Als leidenschaftlicher Gegner der Todesstrafe legte er sein Veto gegen das Gesetz ein, das allerdings von den Gerichten 1977 aufgehoben wurde. In seiner zweiten Amtszeit als Gouverneur ernannte er 1979 den ersten homosexuellen Richter und 1981 die erste lesbische Richterin der USA. Am Ende seiner zweiten Amtszeit hatte er im Ganzen fünf homosexuelle Richter ernannt und ein Gesetz durchgebracht, das homosexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen entkriminalisierte. Aus Anlass des Unfalls im Kernkraftwerk Three Mile Island in 1979 forderte er von der Regierung eine verstärkte Förderung der Solarenergie.
Ein Leben für und in der Politik war nicht das erste Lebensziel Browns. Als Achtzehnjähriger trat er einem Jesuitenseminar bei in der Absicht, katholischer Priester zu werden. Doch nach Abschluss seines Jurastudiums entschied er sich für eine politische Laufbahn. Nach seinen zwei ersten Amtszeiten als Gouverneur war hatte er verschiedene Ämter inne: Bürgermeister von Oakland, Generalstaatsanwalt von Kalifornien. Außerdem kandidiere er dreimal erfolglos für die Präsidentschaft. Dass ihn Personen wie Jane Fonda, Jesse Jackson und Tom Hayden unterstützten, schadete ihm eher als dass es ihm nützte. Um Abstand von der Politik zu gewinnen, reiste er nach Japan, studierte Buddhismus und Zen. Auch Mutter Teresa besuchte er in Calcutta, wo er in einem ihrer Hospitäler Kranke pflegte. Er lernte: „Politik ist ein Machtkampf, um an die Spitze des Haufens zu kommen. In Calcutta und bei Mutter Teresa geht es darum, für die zu arbeiten, die am Boden des Haufens liegen. Und man sieht, dass sie nicht anders sind als du und dass ihre Bedürfnisse genauso wichtig sind wie deine. Und du bist da, um ihnen zu helfen, und indem du das tust, erreichst du deinen größtmöglichen Seinszustand.“

2010 wurde Brown zum dritten Mal und 2014 zum vierten Mal zum Gouverneur Kaliforniens gewählt. Sein republikanischer Vorgänger, Arnold Schwarzenegger, hinterließ ein Staatsdefizit von 25,4 Milliarden. Das Budget des demokratischen Brown zeigt Anfang 2018 einen Überschuss von 4,2 Milliarden.
Die letzte Amtszeit wird der dann Einundachtzigjährige 2019 beenden. Hinterlassen wird er einen Staat, der nicht nur fiskalisch ein Gegenuniversum zu Präsident Trumps Amerika ist, sondern der auch ideell und moralisch eine Widerlegung republikanischer Politik ist.

Mit der Umsetzung seiner progressiven Ideen ist es Brown gelungen, die Politik der Republikaner zu widerlegen. Kalifornien ist ein Land der Toleranz, hoher Immigration und Waffenkontrolle. Seine Wirtschaft blüht dank technologischer Neuerungen und trotz gleichzeitiger Senkung der Gasemissionen. 2012 erhöhte er die Steuern für die Reichen und gleichzeitig die Steuern auf Benzin und Diesel. Von den erwarteten 50 Milliarden sollen Straßen und Brücken repariert werden. Saubere Energie, elektrische Autos und ein Hochgeschwindigkeitszug sind in der Planung. Entgegen republikanischer Theorie hat seine umweltfreundliche Politik Arbeitsplätze nicht vernichtet, sondern 2,34 Millionen geschaffen. Obwohl Kaliforniens Bevölkerung nur 12 Prozent der Gesamtbevölkerung der US beträgt, ist es mit einem Viertel am Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten beteiligt. Seine Wirtschaftskraft ist sechstgrößte in der Welt. Eine Folge des Wirtschaftsboom ist die Krise des Wohnungsmarktes. Die Wohnpreise sind so angestiegen, dass viele Menschen sie nicht mehr bezahlen können und obdachlos wurden.

Kalifornien ist ein reicher Staat. Dennoch gibt es auch große Armut. Um sie zu mildern hat Kalifornien im Januar 2017 den gesetzlichen Minimumlohn auf 10,50 Dollar erhöht für Unternehmen mit mehr als 26 Angestellten. Dieser Lohn soll jährlich erhöht werden bis er 2022 15 Dollar pro Stunde erreicht. Gegen Trumps Versuche, Obamas System der Krankenversicherung zu beenden, hat sich Kalifornien gestellt mit der Ausdehnung des Systems durch erleichterten Zugang für die Antragsteller. Schulen mit hohem Ausländeranteil werden finanziell besonders unterstützt. Das Arbeitsrecht, das die Zahl der Arbeitsstunden und die Urlaubstage reguliert, wird streng überwacht. Mehrere Agenturen geben Minderbemittelten finanzielle Unterstützung in Form von Gutscheinen und Hilfe bei der Suche nach bezahlbaren Wohnungen. Aber Brown muss zugeben: „Die Intervention der Regierung ist bescheiden angesichts der zerstörerischen Kraft des globalen Kapitalismus“ (Rolling Stone Interview, 5.10.2017).
Eine Vorreiterrolle spielt Kalifornien auch im Hinblick auf die Kontrolle des Waffenbesitzes, die strenger ist als in anderen Staaten. So erließ Brown 2016 u.a. ein Gesetz, dass den Besitz von halbautomatischen Waffen, wie sie bei den Massenschießereien in den letzten Jahren gebraucht wurden, verbietet. Der Zugang zu Waffen wurde durch strenge Überprüfungen erschwert, um zu verhindern, dass mögliche Täter sich Waffen verschaffen.

Brown hat sich zum globalen Führer im Kampf gegen den Klimawandel gemacht. Während Trump den Klimawandel für einen von den Chinesen erfundenen Schwindel hält, sieht Brown ihn als existentielle Bedrohung. Er war einflussreicher Teilnehmer an der Pariser Klima-Konferenz. Als Trump den Klima-Vertrag aufkündigte, fuhr Brown nach China und erreichte mit der chinesischen Regierung Übereinkommen über die Zusammenarbeit Kaliforniens mit China auf den Gebieten erneuerbare Energie, emissionslose Autos und Kohlendioxyd-Reduktion in den Städten. In Zusammenarbeit mit 187 Stadt-, Staats- und Provinzial-Regierungen hat Brown eine Koalition von mehr als 1,2 Milliarden Mitgliedern gegründet, die sich verpflichtet haben, den Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius zu halten. Trump hat den Gebrauch des Wortes Klimawandel in Dokumenten verboten und die Agentur für Umweltschutz auf ein Minimum ihres Einflusses reduziert. Brown hat eine Gipfelkonferenz vom 12. Bis 14. September in San Franzisco geplant, in der Vertreter von Staaten, Provinzen und Städten aus der ganzen Welt diskutieren werden, wie man die Auflagen des Pariser Klimavertrags erfüllen oder erweitern kann.

Anfang 2018 verstärkte sich in den USA die Kontroverse betreffs „illegale Ausländer“ – so die republikanische Bezeichnung – und „undokumentierte Einwanderer“ – die demokratische Bezeichnung. Die Rede ist von dem Zustrom von Menschen aus südlichen Ländern, vor allem aus Mexiko. Kaliforniens Grenze zu Mexiko wurde von Millionen von Mexikanern illegal überquert um der Armut in ihrem eigenen Land zu entfliehen und Arbeit im boomenden Kalifornien zu finden. Trump trat seine Präsidentschaft an mit dem Versprechen, die Grenze zu Mexiko mit einer hohen Mauer zu schützen, die vom Staat Mexiko bezahlt werden würde. Natürlich weigert sich Mexiko, Trumps Wunsch zu erfüllen, und der Kongress bewilligte noch nicht das Geld für den Bau der Mauer.

Der US-Justizminister Sessions, der auf Trumps Abschussliste steht, hat im Bestreben wieder Trumps Gunst zu gewinnen, ein Gerichtsverfahren gegen Kalifornien eingeleitet, das nachweisen soll, dass die Schutzgebiete (sanctuary areas) für diese Einwanderer gegen die Autorität der Bundesregierung verstoßen und damit ungesetzlich sind. Schutzgebiete gibt es nicht nur in Kalifornien, sie sind inzwischen in mehreren Staaten und Städten etabliert worden. Aber Browns Kalifornien ist der Vorreiter dieser Protestbewegung gegen das, was von manchen Amerikanern als „weißer Rassismus“ gebrandmarkt wird, weil es eine Haltung ist, die sich aggressiv vorwiegend gegen dunkelfarbige Einwanderer wendet. Zu ihnen gehören auch die „Träumer“. Bei ihnen handelt es sich um jene inzwischen Erwachsenen, die als Minderjährige von ihren Eltern mit in die USA gebracht wurden. Weil er ein Einwanderungsgesetz im Kongress nicht durchsetzen konnte, hatte Präsident Obama 2012 ein Dekret erlassen, das sie zwei Jahre vor einer Abschiebung schützt und ihnen den Zugang zu einer Arbeitserlaubnis ermöglicht (Deferred Action for Childhood Arrivals, DAKA). Präsident Trump ordnete 2017 die Beendigung dieses Programms an. Seitdem leben diese Menschen Tag und Nacht in ständiger Angst, von der Polizei erwischt und deportiert zu werden. Gouverneur Brown ist der Meinung, dass diese ein bis zwei Millionen Menschen in Kalifornien, die arbeiten und zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen, vor dieser panischen Angst geschützt werden müssen. Deswegen gibt seine Regierung ihnen rechtliche Hilfe, wenn etwa ihr Arbeitgeber sie einschüchtern will oder die Polizei sie wegen kleiner Vergehen festnimmt. Kalifornien zahlt Millionen für den Schutz, den es diesen sogenannten „Dreamers“ gewährt. Brown im Interview: „Wenn der Präsident genügend Einwanderungsbeamte einstellen will, kann er eine Menge Leute einfangen… Aber das verletzt grundsätzliche menschliche Normen. Und die politischen Gefühle und Überzeugungen – sowohl in Kalifornien als auch im ganzen Land – werden letztendlich dagegen aufbegehren und es stoppen“ (Rolling Stone- Interview, 5. Okt. 2017). Noch hat das Gericht sein Urteil nicht gefällt.
Ein Viertel der Bevölkerung ist im Ausland geboren. Brown ist sich bewusst, dass dies eine Menge ökonomischer und sprachlicher Probleme schafft. Aber er argumentiert, dass z.B. Silicon Valley Experten auch aus anderen Ländern braucht. Und was die Menschen aus Mexiko betrifft, so ist er dankbar dafür, dass sie die Wirtschaft fördern und das Steuer- und Pensionssystem unterstützen. Die Sprachenvielfalt sieht auch er als Problem. Dem begegnet er mit einem Gesetz, das Finanzmittel verstärkt den Schulen zuweist, die sie am meisten benötigen. Schuldistrikte mit Schülern, die noch Englisch lernen müssen oder die aus Familien mit geringem Einkommen stammen, erhalten einen besonderen auf der Schülerzahl basierenden Zuschuss.
Integration der Einwanderer ist die große Herausforderung. Entgegen Trumps ausländerfeindlicher Politik gibt es auf Basis einer fundamentalen amerikanischen Wertschätzung von Fairness die Überzeugung, dass die aggressive Durchsetzung seiner Agenda Familien zerreißen, Gemeinschaften zerstören und menschliches Elend erzeugen würde – und das alles im Namen des Gesetzes. Aus diesen Gründen hat die kalifornische Gesetzgebung eine Reihe von Schritten eingeleitet, die die Integration fördern sollen. Dazu gehören, dass undokumentierte Einwanderer-Studenten dieselben Gebühren an Colleges und Universitäten zahlen wie Einheimische. Sie können sogar vom Staat Stipendien erlangen. Ein anderes Gesetz beschränkt die Kooperation staatlicher und lokaler Polizei mit den Polizisten der Bundeseinwanderungsbehörde, die oft wegen geringer Vergehen undokumentierte Einwanderer kurzfristig deportierten. Trump ist so verärgert über dieses Vorgehen, dass er gedroht hat, diesen Zufluchtsstädten (sanctuaries) Bundesmittel zu sperren.
Der alte amerikanische Traum vom Westen war der Traum vom besseren Leben, war das Streben nach Glück (pursuit of happiness), das die Unabhängigkeitserklärung von 1776 versprach. Geographisch hat der Traum seine Endstation in Kalifornien gefunden. Doch der Traum war vor allem ein mythischer Traum und für ihn gibt es keine Endstation. Das ist die Erfahrung der Menschen von Kalifornien: der weißen Angelsachsen, die einmal in der Mehrheit waren, der Hispanics, Afro-Amerikaner und Asiaten, die zusammen heute die dunkelhäutige Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Kalifornien ist ein Laboratorium für eine radikale gesellschaftliche Veränderung. Es ist multi-ethnisch und multi-kulturell geworden und mit seinen einwanderungsfreundlichen Gesetzen Anziehungspunkt für Menschen, die ein neues Leben in den Vereinigten Staaten beginnen wollen. Konflikte zwischen ethnischen Gruppen sind zwar unvermeidbar, aber gleichzeitig eine Herausforderung für die Notwendigkeit gegenseitiger Toleranz. Ohne Akzeptanz der Unterschiede zwischen Kulturen und ethnischen Gruppen wird die Gesellschaft geteilt und anfällig für Unruhe sein. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob Präsident Trumps oder Gouverneur Browns Vision für Amerika sich durchsetzten wird.

Präsident John F. Kennedy, selbst Enkel irischer Einwanderer, fand eine treffende Beschreibung für eine gesellschaftliche Entwicklung, die ein Charakteristikum Amerikas ist: „Amerika ist eine Gesellschaft von Einwanderern, von denen jeder ein neues Leben begonnen hat, auf gleicher Augenhöhe. Das ist das Geheimnis Amerikas: eine Nation von Menschen mit der frischen Erinnerung alter Traditionen, die es wagen, neue Grenzen zu erforschen …“ Da ist wieder das Wort „ Grenze.“ Es ist und bleibt diese mythische Linie, die lockt und überschritten werden will.

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